Zulassen, Fühlen, Loslassen!

Bist Du Mama oder Papa und kannst nachvollziehen, wenn ich sage: Die Geburt meiner Kinder hat meine Gefühlswelt mit einen Turbo versehen?

 

Die letzten 4 Jahre seit Geburt meiner Kinder waren intensiv. In der Zeit habe ich mein Leben auf Links gedreht.

Ich war fokussiert auf Anerkennung und Genießen!

Vor der Geburt meiner Kinder lag mein Fokus auf zwei Dingen:

 

  1. Höher schneller weiter im Job!
  2. Genießen!

 

Ich habe mir durch meinen Job ein hohes Maß an Anerkennung geholt.

Und parallel habe ich das Geld das ich verdient habe in diversen Aktivitäten die mir Freude machen wieder ausgegeben: Reisen, Reisen, Reisen, Massagen, Sauna, Lecker Essen gehen, mit Freunden unterwegs sein,…

Und ich habe die Freiheit geliebt, von jetzt auf gleich entscheiden zu können, worauf ich Lust habe und mir das dann auch zu gönnen!

Mir wurde der Freiheits- und Annerkennungshahn zugedreht

Mit der Geburt meines ersten Kindes hatte ich das Gefühl mir hat jemand den Freiheits- und den Anerkennungs-Hahn zugedreht. Beides einfach weg. Von jetzt auf gleich. Das hat mich hart getroffen. Und es hat einige Monate gedauert, bis ich mich in meiner neuen Lebensrealität zurechtgefunden habe.

Ich durfte mich neue erfinden

Ich bin in einen komplett neuen Lebensabschnitt eingetaucht. Was mir vorher nicht bewusst war: wie sehr ich mich selbst in diesem neuen Abschnitt erst finden musste. Vielleicht auch ein Stück weit neu erfinden durfte. Und es immer noch tue.

 

Ich glaube ich war in meinem gesamten Leben vorher noch nie so uneigennützig wie heute, noch nie so unsicher wie heute, noch nie so verletzlich wie heute.

Das Leben ist fragil! Das macht mich dankbar!

Die Verantwortung für inzwischen zwei kleine Menschen führt mir täglich die Fragilität des Lebens vor Augen. Gerade heute wäre mein 10 Monate altes Baby fast an einem Stück Fleischwurst erstickt (dem Kurs „erste Hilfe für Babys“ sei Dank, dass wir wussten wie damit umgehen und wie das Stück wieder aus dem Hals rausbekommen…).

Corona, Krieg in der Ukraine, Klimawandel,… all diese Themen verstärken mein Bewusstsein für die Endlichkeit!

Und auf der einen Seite verstärkt sich dadurch meine Unsicherheit und Verletzlichkeit.

Auf der anderen Seite wächst damit meine Dankbarkeit für alles Schöne, was ist und bereits war!

Weil mir bewusst ist, wie fragil jede Situation ist, sind meine Sinne in der Wahrnehmung deutlich geschärfter! Ich nehme alle meine Emotionen deutlich stärker wahr. Und ich entscheide mich oft bewusst auch anstrengende Situationen zu genießen.

 

Tatsächlich sehe ich häufig vor meinem inneren Auge Filme, was alles schiefgehen könnte: Als mein Sohn beispielsweise am Hang auf dem Bauch liegend schaukelte und dann kopfüber sich überschlagend den Hang runterfiel: Kurz sehe ich dann das Bild vor Augen, wie schnell ein Genick brechen könnte, oder der Rücken stark verletzt werden könnte. In solchen Momenten schnürt sich mir innerlich alles zu. Und wenn der Kleine dann – zwar weinend – aber vollkommen ohne größere Verletzungen wieder aufsteht,  bin ich extrem erleichtert. Und unglaublich dankbar, dass nichts schlimmeres passiert ist.

Meine Gefühle sind anstrengend, intensiv - und wunderbar!

Ich würde sagen, durch die Geburt meiner Kinder ist mein Leben intensiver geworden. Intensiver in den Emotionen. Von Stolz über Freude über Wut hin zu Angst! Alles kann innerhalb von nur wenigen Minuten in mir aufsteigen. Und das in einer Wucht, die ich vorher nicht kannte!

 

Ich finde das anstrengend. Denn Angst und Wut so intensiv zu fühlen bedeutet bei mir Anspannung im kompletten Körper. Bis hin zu Übelkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen.

Und gleichzeitig ist es wunderbar wenn die Gefühle von Liebe, Begeisterung, Stolz, Freude und Dankbarkeit intensiv durch meinen Körper strömen.

 

Als ausgebildete Coach weiß ich theoretisch, wie wichtig Emotionen sind und wie gut es ist Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern sie zuzulassen und wirklich zu fühlen. Aber erst in den letzten Wochen und Monaten ist mir das in der tatsächlichen Umsetzung so richtig bewusst geworden. Erst jetzt durch die Intensität der Emotionen lerne ich sie einfach da sein zu lassen. Und sie auszuhalten. Auch mehrere konträre Emotionen im Wechselspiel empfinden zu können.

Ich wollte stark und taff sein - nicht ängstlich und wütend!

Ganz besonders Angst und Wut. Ich habe mich immer für einen Menschen gehalten, der wenig Ängste hat. Und ich bin selten wirklich wütend geworden.

Wenn ich nun mit meinen neuen Erfahrungen darauf zurück schaue, glaube ich, ich habe die Gefühle einfach nicht zulassen wollen. Ich wollte keine Angst haben. Ich wollte stark und taff sein. Angst und Wut waren für mich negativ behaftet. Was dazu geführt hat, dass ich letztlich hart und taff im inneren Kampf mit mir selbst war. Ich habe viel Kraft aufgewendet um manche Emotion nicht in der Intensität fühlen zu müssen, in der sie da war.

Zulassen, Fühlen, Loslassen!

Und dabei habe ich ein Credo – schon seit Jahren: Ich möchte nicht in meiner eigenen Angst verharren oder vor ihr weglaufen. Ich möchte meinen Ängsten ins Auge schauen, sie fühlen und aushalten können, und dann aber vor allem auch wieder loslassen können!

 

Und das gilt letztendlich nicht nur für meine Angst, sondern auch für alle anderen Gefühle! Zulassen, Fühlen, Loslassen!

 

Das ist es doch, was unser Leben intensiv und  lebendig macht! Fühlen!

Und das ist es doch was ich möchte! Ein Leben, dass sich nach Leben anfühlt!

 

Die Kombination aus Coaching und die Intensität der Gefühle seit Geburt meiner Kinder hat dazu geführt, dass ich Emotionen heute deutlich besser sein lassen kann.

Reflexionsfragen für Dich:

Wie ist das bei Dir? Lässt Du Deine Emotionen da sein – ohne sie an anderen auszulassen? Kannst Du Deine Gefühle wahrnehmen und benennen? Und kannst Du sie wieder loslassen?

Kannst Du die Gefühle Deiner Kinder und Deines Partners/in sein lassen und aushalten – ohne, dass sie diese an Dir auslassen?

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